Eine neue Reise beginnt

Wohin?

Ja wohin. Das ist die Frage, die noch offen ist. Aber klar ist, es soll eine längere Reise werden, und zwar mit dem Wohnmobil. Gestartet wird in Schottland, was in diesem Fall unser Ausgangspunkt ist. Wohin ist erstmal noch offen, Klar ist, das wir, obwohl das nicht mein Reiseland ist, in England starten werden. Aber der Umstand, das unser erstes Ziel ein Festival ist, lässt und dorthin reisen 🙂 Wir werden zum HEFF fahren. Tickets sind bestellt und wir freuen uns, endlich wieder hin zu fahren. Das HEFF (Homeeducation Family Festival) in Bury St. Edmunds ist der offizielle Nachfolger vom HESFES, das es viele Jahre gab.

Warum?

Weil ich schon lange reisen wollte. Nur ins Wohnmobil steigen und losfahren. Haben wir ja oft genug gemacht, aber eben mit dem Gedanken im Kopf, wir können nicht so lange, weil ich mich hier in Schottland um unser Haus kümmern muß. Also waren die Reisen nie mit einem open end, was ich gerne mal erleben wollte.

Zudem ist der Zeitpunkt jetzt der Richtige. Mein Sohn ist zwölf und er kann jetzt so richtig gut mitreden. Bisher waren es hauptsächlich meine Entscheidungen gewesen, wenn es Große zu treffen galt. Jetzt sprechen wir noch mehr ab und eben auch diese große Entscheidung.

Was ist so groß?

Mein Gefühlsleben war die letzten Wochen ein absolutes Chaos. Verwirrte Menschen brauchen für manche Entscheidungen eben etwas länger 🙂 Mit dem Gedanken, länger zu reisen, wanderte ich ja schon länger umher. Aber es konkret zu planen, dafür war ich nicht mutig genug.

Im letzten Jahr ist mein geliebtes altes Pony gestorben, das 35 Jahre mit mir zusammen verbracht hat. Das war ein riesiger Einschnitt und hat mich einigermaßen aus der Bahn geworfen. Der Plan war eigentlich der, ein unabhängiges Leben zu führen, wenn er mal nicht mehr da ist. Dann war er nicht mehr da und es passierte nix.

Jetzt, ein Jahr danach wird es Zeit und ich denke, ich brauchte die Zeit, um noch klarer zu werden oder um einfach Mut zu sammeln. Ich hatte meinen Sohn im Herbst letzten Jahres schon einmal gefragt, ob wir hier nicht einfach alles abgeben um mal länger reisen. Er wollte nicht. Er liebt es hier zu sein und unser kleines Heim, das wir uns hier geschaffen haben. Ok, dachte ich. Auch gut, ich muß mich nicht bewegen.

Aber es zog weiter und weiter. In mir gibt es zwei massive Pfeiler, die meine großen Wünsche representieren. Einerseit möchte ich mit dem Wohnmobil um die Welt reisen. Immer unterwegs sein und einfach die Zeit haben zum Reisen. Andererseits möchte ich eine Basis haben, Tiere halten und so gut es geht, autark leben. Beide Wünsche haben die gleiche Bedeutung.

Im Frühjahr diesen Jahres habe ich meinen Sohn nochmal gefragt, ob er sich vorstellen könnte, für  länger zu reisen, weil wir sowieso ab Sommer bis Ende des Jahres unterwegs sind. Im September, so der Plan, wollen wir mit Freunden nach Norditalien. Ich war noch nie so richtig in Italien und da kam der Gedanke, das es überhaupt keinen Sinn macht, danach wieder nach Schottland zu fahren und mich um das Haus zu kümmern. Ich möchte meinem Sohn noch mehr von Italien zeigen. Möchte auch noch viel sehen. Und dann schauen dürfen, wo uns die Reise hin führt.

Also habe ich ihn wieder gefragt und diesmal hat er mit „ja“ geantwortet. Auch, wenn es bedeutet, hier das Haus abzugeben. Ups, habe ich gedacht. Jetzt will er auch noch. Jetzt muß ich aber wohl doch mal  meinen Mut aus der Versenkung holen und aktivieren.

Die letzten Wochen waren jedoch trotzdem der reine – selbstgemachte – Stress. Wie schon gesagt, habe ich die beiden großen Wünsche und ich bekam eine so große Angst, mein Haus hier abzugeben, weil ich Sorge hatte, kein Heim zu haben, wenn wir vielleicht im nächsten Jahr wieder her kommen. Und da ist das vielleicht. Das „Vielleicht“ steht nicht für „ob“ sondern für „wann“. Ich habe Zukunftsängste. Angst vor Situationen, die eintreffen könnten, von denen ich aber überhaupt nicht weiß, ob sie überhaupt eintreffen. Da ich nicht hellsehen kann, ärgert mich das gleichzeitig. Man, hatte ich Bauchschmerzen.

So ging ich verschiedene Möglichkeiten durch. Von Haus behalten und sehen, das sich jemand kümmert bis Haus weg, Verpflichtung weg. Außerdem ist das hier ein gemietetes Objekt und ich kann nicht mal jemand hier wohnen lassen, während wir unterwegs sind.

Das ich, wie gesagt, voller Ängste bin (das aufzuarbeiten geht irgendwie nicht so schnell, wie es mir wünsche) brauchte ich Zuspruch. Ich brauchte die Gedanken meiner Freunde, damit ich mich selbst sortieren kann. Der letzte Kick kam dann von einer Freundin, die mir sagte: „Also das verstehe ich nicht. Das wolltest du doch immer. Reisen, unabhängig sein. Du hast abgewartet, bis dein Pony gestorben ist und dann wolltest du los. Und jetzt zögerst du? Das geht so nicht.“ So in etwa hat sie es rüber gebracht und das war der Moment, als ich die Situation von außen betrachten konnte. Ich habe für einen Moment fühlen können, wie es ist, keine Angst zu haben. Und das war ein großartiger Moment.

Dann mußte ich mich nocheinmal rückversichern, ob mein Sohn das auch wirklich möchte. Und er sagte: „Mama, wir reisen doch sowieso so viel, warum nicht jetzt länger.“

Das wir das Haus aufgeben müssten, war für ihn dann doch kurz nicht so toll, aber dann war er dafür. Meine Güte, er wächst und wird groß 🙂

Am nächsten Tag habe ich den Mietvertrag für das Haus gekündigt und nun geht es ans packen. Wir habe noch ca. 7 Wochen Zeit. Auf geht’s…..

Das Druckgefühl in  meinem Magen hat sich aufgelöst. Bis jetzt fühle ich mich großartig. Die Angst übernimmt gerade nur einen kleinen Part in der Versenkung. 🙂

 

 

 

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